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Software Licence Management

Mit Lizenzmanagement (auch Software-Lizenzmanagement) bezeichnet man einen Prozess in Unternehmen, der den legalen und effizienten Umgang mit proprietärer Software in Unternehmen absichert. Lizenzmanagement nimmt auf alle Bereiche des Unternehmens Einfluss von der Beschaffung über jeden PC-Arbeitsplatz bis hin zum Management.

Abgrenzung

Grundsätzlich gibt es nach deutschem Recht die Möglichkeit, Software im Rahmen eines Sachkaufs zu erwerben, beispielsweise von einem Händler (neue Software) oder einem anderen Nutzer (gebrauchte Software), also von Verkäufern, die normalerweise nicht berechtigt sind, Lizenzen zu vergeben und Lizenzverträge zu schließen. Die Nutzung wird dann durch das Urheberrecht bestimmt und es kommt kein Lizenzvertrag zu Stande, auch nicht, wenn bei der Installation von der Software eine entsprechende Bestätigung vom Benutzer gefordert wird.

Im Rahmen eines Lizenzvertrages können zahlreiche Bestimmungen zur Verteilung und Nutzung einer Software frei zwischen den Parteien vereinbart werden, dazu haben sich die im Folgenden erläuterten Begrifflichkeiten eingebürgert.

Hintergrund

Technisch gesehen reicht eine Installationsroutine z. B. auf einem Datenträger wie einer CD häufig aus, um beliebig viele Installationen vorzunehmen. Dies erfordert nach geltendem Urheberrecht die Zustimmung des Urhebers. Geht man davon aus, dass für eine „bestimmungsgemäße Benutzung“ nur eine Installation des Computerprogramms notwendig ist, so ist für weitere Installationen die Einwilligung des Rechteinhabers erforderlich. Diese erfolgt bei kommerzieller Software üblicherweise in Form von Lizenzverträgen, welche bestimmen, unter welchen Voraussetzungen und wie oft das Programm installiert werden darf. Auch eine Nachnutzung der Lizenz nach Deinstallation der Software bzw. Verschrottung des Zielrechners ist häufig über den Lizenzvertrag geregelt. Ein technisch identisches Softwareprodukt kann in einem Unternehmen je nach vorliegenden Lizenzverträgen unter verschiedenen Lizenzbestimmungen gleichzeitig zum Einsatz kommen, beispielsweise als Concurrent-User-Lizenzmodell für Arbeitsstationen und mit Dongle für Notebooks. Ein Lizenzvertrag kann auch die kommerzielle Weiterverwertung einer Software regeln, selbst wenn diese z. B. kostenfrei nutzbar ist.

Folgen von Lizenzverstößen

Die zivilrechtlichen Folgen von Lizenzverstößen werden im Lizenzvertrag definiert. Darüber hinaus können sie auch Verletzungen des Urheberrechts und damit eine Straftat darstellen. Liegen gravierende Lizenzverstöße vor, so kann der Lizenzgeber unter Umständen berechtigt sein, den Lizenzvertrag außerordentlich nach § 314 BGB zu kündigen. So kann der Weiterverkauf von OEM-Lizenzen für PC-Hersteller oder von Lizenzen eines Lizenznehmers zwar im Lizenzvertrag ausgeschlossen werden, wenn allerdings der Lizenznehmer diese trotzdem an einen Dritten verkauft, kann sie der Dritte im Rahmen des Urheberrechtes frei nutzen.Allerdings bedeutet nicht jede Verletzung des Lizenzvertrages auch eine Verletzung des Urheberrechts. Der Lizenzgeber (Softwarehersteller) kann Ansprüche nur zivilrechtlich und nur gegenüber seinem Lizenznehmer geltend machen.

In Deutschland kann im Falle eines Urheberrechtsverstoßes eines Unternehmens der zuständige Vertreter der Unternehmensleitung persönlich haftbar gemacht werden. Viele Unternehmen sind sich der wirtschaftlichen (offene und verdeckte finanzielle Verluste) und rechtlichen Risiken (Geld- und Freiheitsstrafen) aufgrund fehlender Lizenzen nicht bewusst.

Lizenznachweis

Lizenzen zu den installierten Programmen sind Vertragsdokumente und sollten als solche verwahrt werden, insbesondere um die Nutzungsrechte im Streitfall nachzuweisen.

Die Rechte und Pflichten aus einem Lizenzvertrag werden im Lizenzmanagement nach drei bis vier Faktoren geordnet:[3]
 

  1. Art der Lizenz
  2. Lizenzklasse
  3. Lizenztyp (je nach Hersteller verwendet)
  4. Lizenzmetrik

Art der Lizenz

Diese grundlegendste Unterteilung von Lizenzen beschreibt, ob die Lizenz genau eine Bereitstellung erlaubt (Einzel-Lizenz) oder eine Mehrfach-Bereitstellung (Mehrfach-Lizenz) - oder ob die Lizenz die kommerzielle Weiterverwertung der Software im Rahmen eigener Softwareprodukte oder Systeme regelt. Falls ein Lizenzschlüssel zur Freischaltung der berechtigten Bereitstellungen genutzt wird, gilt der Grundsatz: Pro Lizenzvertrag existiert ein Lizenzschlüssel. Mehrfach-Lizenzen bieten daher in Unternehmen große Vorteile bei der technischen Bereitstellung einer Software, da alle Einzel-Bereitstellungen mit demselben Lizenzschlüssel erfolgen können und somit eine automatisierte Softwareverteilung wesentlich vereinfacht wird.

Mehrfach-Lizenzen können je nach Lizenzmetrik unterschiedlich beschrieben sein, z. B.:

    Volumenlizenz (umfasst n Lizenzen)
    Standortlizenz (umfasst alle Bereitstellungen innerhalb eines benannten Standortes)
    Unternehmenslizenz (umfasst alle Bereitstellungen innerhalb des Unternehmens)
 

Lizenzklasse

Die Lizenzklasse einer Software typisiert die vertraglichen Voraussetzungen für die Nutzung einer Software. Die folgenden häufigen Beispiele für Lizenzklassen erfordern (sofern nicht anders angegeben) jeweils einen separaten Nachweis:
 

  • Eine Vollversion kann für sich alleine genutzt werden und setzt keine vorhergehende Version voraus
  • Ein Upgrade setzt das Vorhandensein einer vorhergehenden Vollversion und ggf. einen lückenlosen Nachweis aller früheren Upgrades voraus. Für die Lizenzbilanzierung können Upgrade- und Downgrade-Lizenzen nur dann angerechnet werden, wenn die durchgängige Lizenzkette von vorhergehender Vollversion über entsprechende Upgrade-Lizenzen wieder eine effektive Volllizenz ergeben. Der Vorgang dieser Lizenzkettenbildung und deren Dokumentation wird auch Assemblierung genannt.
  • Updates umfassen Fehlerkorrekturen oder kleinere Software-Ergänzungen, meist als Unterversion oder Hotfix innerhalb einer Version. Beim Einsatz eines Update wird kein zusätzlicher Lizenznachweis für die Update-Version erforderlich.
  • AddOns sind Zusatzkomponenten zu einer Software, die weder vom Hersteller der Software noch in der Nutzungserlaubnis der Software enthalten sein müssen.
  • Client Access License ("CAL") sind zusätzliche Lizenzen zur Nutzung der Dienste eines Servers, auf dem beispielsweise eine Datenbank ihre Dienste anbietet. Die Nutzung der Datenbank kann weitere Lizenzen erforderlich machen.
  • Kombinationen und Sonderformen:
  •         AddOn-Upgrade (ein AddOn in Form eines Upgrades)
  •         CAL-Upgrade (eine CAL in Form eines Upgrades)
  •         Cross-Upgrade (in kaufmännischer Hinsicht ähnlich einem Upgrade, bildet technisch aber den Wechsel zu einem anderen Produkt ab)
  • Die Downgrade-Lizenz berechtigt den Lizenznehmer, eine niedrigere Produktversion als die lizenzierte Version zu nutzen. Beispiel: Eine Microsoft-Windows-7-Lizenz kann zur Installation und Nutzung von Microsoft Windows XP berechtigen. Lizenziert ist Microsoft und Microsoft Windows 7, installiert ist Microsoft Windows XP.
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  • Lizenztyp

    In der Literatur wird zuweilen auch zwischen Lizenztypen und Lizenzmetriken unterschieden, wobei sich der Lizenztyp auf die Art der zugrunde liegenden Messgröße bezieht (z. B. Gerät, Nutzer, Zeit, Nutzungsvorgang) und die Lizenzmetrik dann die genaue Form der Messung beschreibt. Diese Begrifflichkeit ist bislang jedoch nicht standardisiert.
     
 

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